..............F O R U M......... Bessarabiendeutscher Verein e.V.

02
Januar
2019

Der Einfluss des Nationalsozialismus auf das Vereinsleben in Bessarabien

Vorbemerkung

Die Geschehnisse in Bessarabien während der Zwischenkriegszeit 1918-1940 sollten stets auf dem Hintergrund der enormen geschichtlichen Veränderungen in jener Zeit gesehen werden. Die Bessarabiendeutschen hatten im 19. Jh. und vor dem Ersten Weltkrieg lange Zeit relativ unbehelligt als kleine deutsche Minderheit im russischen Zarenreich gelebt. Das änderte sich gravierend, als sie 1915 mit der Verabschiedung der Liquidationsgesetze enteignet und sogar nach Sibirien deportiert werden sollten. Zum Glück blieb den meisten dieses Schicksal der Wolhyniendeutschen erspart, aber die negativen Erfahrungen mit Russland machen verständlich, warum Bessarabien sich um die Vereinigung mit Rumänien bemühte. Die Hoffnungen an Rumänien wurden allerdings durch den Rumänisierungsdruck gegenüber der deutschen Minderheit bald enttäuscht.

Vortrag bei der Herbsttagung 2012 in Hildesheim:
Der Einfluss des Nationalsozialismus auf das Vereinsleben
von Heinz Fieß

Volksgemeinschaft und Erneuerung
Um die Entwicklung des Vereinswesens der Deutschen in Bessarabien in den Dreißigerjahren verstehen zu können, ist es erforderlich, zentrale Begriffe des nationalsozialistischen Gedankengutes im Blick zu haben. „Volksgemeinschaft“ und „Erneuerung“ – diese Begriffe klingen zunächst so optimistisch positiv und wohlwollend, dass sie kaum zum Hinterfragen auffordern. Schon gar nicht erkennt der wenig Kritische die kämpferische Stoßrichtung, die sich hinter diesen Begriffen verbirgt. Zum Begriff „Volksgemeinschaft“: So ist doch Volksgemeinschaft, also die Gemeinschaft einer Volksgruppe, naiv betrachtet etwas sehr Erstrebens- und Wünschenwertes: Man sorgt sich gemeinsam um das Wohl des Einzelnen und der Gruppe. Nicht Zwist, Streit und Eigennutz, sondern gemeinschaftliches Vorgehen führt zur Bewältigung der gestellten Aufgaben. Sollen die demokratisch-freiheitlichen Werte und Grundrechte in einer Gemeinschaft gewahrt werden, so setzt dies wertschätzende Toleranz, selbständiges Denken und Kompromissbereitschaft voraus.
Mit dem zunehmenden Einfluss des Nationalsozialismus auf die Bessarabiendeutschen in den Dreißigerjahren wurde der Begriff „Volksgemeinschaft" , der bereits im 19. Jh. aufkam und auch in der Weimarer Republik eine bedeutende Rolle spielte, völlig neu besetzt. Er wurde auch in Bessarabien zum propagandistischen Leitbegriff und zum politischen Instrument der nationalsozialistisch orientierten Gesinnungsgemeinschaft. Stefanie Wolter schreibt in ihrer Pressedokumentation auf S. 435: „Immer mehr entwickelte sich in der Folgezeit die Volksgemeinschaft von einem Konstrukt, das einfach alle Deutschen Bessarabiens auf Grund ihrer gemeinsamen Herkunft umfasste, hin zu einer Institution, bei der es gewisse Kriterien zu erfüllen galt, wenn man ihr angehören wollte. Damit wurde die Volksgemeinschaft zunehmend zu einem Begriff, der zum Ausschluss missliebiger Elemente verwendet werden konnte – nicht nur nach außen, sondern auch innerhalb der deutschen Volksgruppe.“
Zum Begriff „Erneuerung“: Die führenden Köpfe der sog. Erneuerungsbewegung in Bessarabien drängten zur Macht. Eine ganze Reihe dieser Männer hatte in den Zwanzigerjahren in Deutschland, meist in Tübingen studiert, war dort mit der nationalsozialistischen Ideologie mit ihrer Aufbruchsstimmung in Berührung gekommen und von den neuen Gedanken angetan. Zurück in Bessarabien vermissten sie diese Aufbruchsstimmung. Die alten Strukturen erschienen ihnen zu eng und reaktionär, sie wollten Veränderung, „Erneuerung“, in vieler Hinsicht. Vor allem das benachbarte Siebenbürgen, zunehmend aber auch die Kontakte zum Deutschen Reich wurden zum großen Lehrmeister und Unterstützer.
Zu den Veränderungen im Jahr 1933 ein Auszug aus Mariana Hausleitner, Deutsche und Juden in Bessarabien, S. 152:
„Die Lehrerbildungsanstalt („Wernerschule“) in Sarata wurde ab 1933 das Zentrum des Protestes gegen die Rumänisierung, gleichzeitig war dort die Begeisterung für den Nationalsozialismus besonders stark.“ und ebd. weiter:
„Die Radikalisierung der Deutschen aus Bessarabien war zum einen eine Folge des Scheiterns der Verhandlungspolitik der konservativen Führer [Daniel Haase, H.F.] und zum anderen Folge der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich. Seitdem Hans Steinacher im April 1933 der Reichsführer […] des „Volksbundes für das Deutschtum im Ausland“ (VDA) geworden war, griff diese Behörde direkt in das politische Geschehen in Bessarabien ein. Sie führte das „Führerprinzip“ im Verhältnis zu den Vereinen ein, die sie finanziell förderte.“
Dazu auch Ute Schmidt, Die Deutschen aus Bessarabien, S. 116: „Ohne die ideelle und materielle Protektion aus dem Reich wäre es der organisatorisch fragilen `Erneuerungsbewegung´ bzw. ihren Spaltungsprodukten vermutlich kaum gelungen, der alten Volksführung das Wasser abzugraben und sich als politische Kraft in der deutschen Volksgruppe zu etablieren.“

Der Text wird aus technischen Gründen fortgesetzt in den angehängten Dateien.



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